Weil in der Herberge kein Platz für sie war

In den letzten Wochen habe ich montags anlässlich der Demonstrationen gegen den Bau eines Flüchtlingsheims immer meine Gedanken dazu geschrieben.

Vorgestern war wieder Montag und es fanden zumindest hier in der Gegend keine fremdenfeindlichen Demonstrationen statt. Ich gebe zu, ich habe kurz aufgeatmet, einmal nicht in einem „Sperrgebiet“ montags aus dem Fenster zu sehen.

Dennoch habe ich nicht vergessen, was die letzten Wochen hier passiert ist und was vermehrt in ganz Deutschland, vornehmlich in Dresden an Fremdenfeindlichkeit in der Öffentlichkeit derzeit ans Tageslicht kommt. Erschreckend! Es macht mich wahnsinnig betroffen und es nimmt mir ein wenig der eigentlich friedlichen Weihnachtsstimmung, die ich normalerweise so mag.

In einem Roman, eigentlich eher trivial, die Handlung historisch angehaucht und mit Beschreibungen von Auswanderern aus Europa nach Amerika, habe ich einen Satz gelesen, der mich berührt hat:

„Weihnachten ist eine Geschichte von Leuten, die kein Haus hatten, an allen Türen abgewiesen wurden und dankbar sein mussten, weil sie beim Vieh schlafen mussten.“

„Wer klopfet an?“

“O zwei gar arme Leut.“

„Was wollt ihr dann?“

“O gebt uns Herberg heut! O durch Gottes Lieb wir bitten, öffnet uns doch Eure Hütten!”

O nein, nein, nein!“

“O lasset uns doch ein!”

„Es kann nicht sein!“

“Wir wollen dankbar sein.”

„Nein, es kann einmal nicht sein, da geht nur fort! Ihr kommt nicht rein.“

Weihnachten ist die Geschichte von Menschen, die ihr zuhause verlassen mussten. Menschen auf der Suche nach einer Unterkunft, die aber von den Bürgern der Stadt jäh abgewiesen wurden und für die kein Platz in der Herberge war.

Die Demonstration für Berlin-Marzahn wurde übrigens abgesagt, weil man einen gemeinsamen Abschluss vor dem Fest im Sinne der „abendländischen Tradition“ von Weihnachten begehen wollte. Mir wird schlecht.

Genauso wird mir schlecht, wenn sich tausende von Menschen treffen (egal ob in Dresden oder anderswo), um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen, im Sinne der „abendländischen Tradition“ des Weihnachtsfestes.

Ich wage zu bezweifeln, dass auch nur mehr als 5% dieser Demonstranten überhaupt wissen, was weihnachtliche Traditionen sind und den Ursprung dieses Festes kennen.

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Ohne Ansehen der Hautfarbe und der Herkunft.

Weihnachten ist nicht das Fest des Shoppings und des Konsums – sondern das Fest des Schenkens und Gebens. Weihnachten ist auch nicht das Fest derjenigen, die sich selbst am nächsten sind, die fadenscheinige Ängste auf die Straße tragen und sich von fremdenfeindlichen Parolen instrumentalisieren lassen.

„Ihr kommt zu spät.“

“So heißt es überall!”

„Da geht nur, geht!

“O Freund, nur heut einmal! Morgen wird der Heiland kommen; dieser liebt und lohnt die Frommen.”

„Liegt mir nichts dran.“

“Seht unser Elend an!”

„Geht mich nichts an.“

“Habt Mitleid, lieber Mann!”

„Schweigt nur gleich, laßt mich in Ruh! Da geht! Ich schließ die Türe zu.“

Weihnachten ist das Fest der Liebe, das Fest der Nächstenliebe und damit ist nicht gemeint, dass man sich selbst am nächsten ist.

„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ – „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“

OK, genug der Sprichwörter und Phrasen. Mir ist wichtig, dass wir alle nicht während der Weihnachtsfeiertage, die die meisten von uns wohl trocken und warm und mit gut gefüllten Bäuchen im Kreise ihrer Lieben verbringen werden, vergessen, dass es Menschen gibt, die ihre Heimat verlassen mussten, in Not geraten sind und die unsere Hilfe benötigen. Menschen, die sich schon über ein freundliches Wort, ein Lächeln, und über eine Herberge freuen, in der Platz für sie ist.

Lichtblick1Ach ja, jede einzelne Kerze, die ich in diesen Tagen entzünde, steht im Geist der Weihnacht und ist in diesem Jahr eine Kerze gegen Rechts.

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