Persönliche Freiheit

Persönliche Freiheit endet dort, wo die persönliche Freiheit des Anderen beginnt.

„Grundgesetz Artikel 2: Artikel 2

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

„…und langsam riech ich die Gefahr…“ (Songtext Zillertaler Schürzenjäger)

Und ich fühle mich mittlerweile in meiner persönlichen Freiheit eingeschränkt. Aufgrund der wiederholten Montagsdemos beginne ich zu überlegen, ob ich montags noch abends Termine wahrnehmen darf, ob ich vor die Tür gehe oder ob ich ungefährdet nach Hause komme.

Warum? Aufgrund der angeblich so friedlichen Demos „besorgter Bürger“.

Ich habe meine Aktion begonnen, weil Demonstrationen vor meiner Haustür stattfinden, die ein hohes Gewaltpotential mit sich bringen. Und zwar sowohl die Aufmärsche angeblich „besorgter Bürger“, als auch die Gegendemonstranten sind nicht alle friedlich.

Die gebrüllten Parolen beinhalten ein hohes Gewaltpotential und man kann auch verbal (also mit Worten) Gewalt ausüben.

Nicht wer am lautesten schreit, hat recht.

Und wer garantiert mir, dass ich nicht nach einer Demo angeblich „besorgter Bürger“ in eine aufgeheizte und gereizte Gruppe dieser „Bürger“ gerate und dann nur, weil ich möglicherweise nicht wegschaue, mich dadurch in Gefahr bringe?

„Friedliche Demos“… „Wir rufen nicht zur Gewalt auf“… Aber irgendwann möchte mal einer ein Exempel statuieren… Davor habe ich Angst.

„Auch wenn man’s verdrängt, es ist leider wahr,

und langsam riech’ ich die Gefahr:

Gestern wird morgen und das macht mir Sorgen

dass es wieder wird wie’s schon mal war.“ (Quelle: Zillertaler Schürzenjäger)

Mit meinem kleinen Blog und meiner persönlichen Aktion habe ich einen Weg der freien Meinungsäußerung gewählt. Aber ich fühle mich wie eine Andersdenkende inmitten einer unbekannten Masse. Ich befinde mich in einem Zwiespalt zwischen gelebter Freiheit und Demokratie und aufkommender Zweifel und Angst aufgrund meiner eigenen Courage.

Ich bin gefragt worden, ob die Verlinkungen zu meinen Artikeln weiter verbreitet werden dürfen und ich habe gezögert. Ich habe gezögert mit der Begründung: „Ich wohne hier.“ Ich habe gezögert, weil meine persönliche Meinung bei einer weiten Verbreitung im Netz nicht nur ein Gesicht bekommt, sondern weil ich die Verbreitung nicht kontrollieren kann. Und das, obwohl ich bereits selbst diesen Weg gewählt habe.

Pssst… pass auf … Nicht so laut…. Wenn das einer hört, bring dich nicht in Gefahr…

Muss ich Angst haben, dass meine persönliche Meinung an die Falschen gerät? Muss ich davor Angst haben, weil mein kleiner persönlicher Widerstand gegen die rechtsradikalen Tendenzen in meiner unmittelbaren Nachbarschaft möglicherweise ausufern, weil meine Meinung ein Gesicht hat? Muss ich mich deshalb verstecken, den Kopf einziehen und bloß nicht auffallen?

„Gestern wird morgen und das macht mir Sorgen, dass es wieder wird wie’s schon mal war.“

Freiheit muss man lernen. Freiheit kann man nicht beim Sonntagsshopping als Schnäppchen mitnehmen und in eine Tüte stecken.

An der Ausübung persönlicher Freiheit muss man ein Leben lang arbeiten und manchmal auch dafür kämpfen. Friedlich und ohne Gewalt.

Mit meinem Zwiespalt werde ich leben und ich werde meine Meinung gegen die eindeutigen rechten Tendenzen nicht verschweigen. Ich werde nicht wegschauen und ich werde den Kopf nicht einziehen. Trotz der Gefahr. Aber die Gefahr, dass es so wird, wie es schon mal war ist größer.

Freiheit der persönlichen Meinung? Ja. Demonstrationsfreiheit? Ja. Friedlich. Und zwar unter Beachtung unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das gilt für alle Menschen.

Die persönliche Freiheit endet dort, wo die persönliche Freiheit des Anderen beginnt.

Und die Kerze brennt.