denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Heute ist der erste Montag im neuen Jahr. Eigentlich Zeit für die sogenannte „Montagsdemo“. Diese fällt aber in dieser Woche vor meiner Haustür in Marzahn aus. Die Organisatoren künden ein abgeändertes Konzept an und rufen ihre Anhänger zu „Wachsamkeit“ auf. Aha…

Ich habe mal einen Screenshot gemacht (05.01.2015, 16.15 Uhr), damit man sich anhand der Formulierungen und des Sprachgebrauchs vor Augen führen kann, dass es sich keineswegs um „besorgte Bürger“ handelt. „Der deutsche Frühling…“ Ist das eine Drohung?

15-01-05 SprachgebrauchStatt der „Montagsdemo“ findet heute am Brandenburger Tor eine Demo der sich in den Vordergrund drängenden PEGIDA-Bewegung statt. Das ist auch nicht besser.

Auch diese Bewegung arbeitet damit, dass hier angeblich nur Ängste und Besorgnisse verunsicherter Bürger auf die Straße gebracht werden. Niemand sei rechtsradikal.

Ich verwende absichtlich nicht den Begriff „Nazi“, denn die Bewegung hat sich einen eigenen Namen gegeben und deren Anhänger wollen und können die Parallelen zur Nazizeit nicht erkennen. Den meisten fehlt es vermutlich wirklich an Hintergrundwissen. Ich habe mich dazu bereits im Dezember ausführlicher geäußert.

Das ändert jedoch nichts an den Inhalten, die transportiert werden sollen, bzw. an den schwammigen populistischen Parolen. Ich habe mir tatsächlich die Mühe gemacht die unterschiedlichen „Positionspapiere“ zu lesen und die Formulierungen sind perfide.

Man fordert das Recht aufzunehmen, dass es Pflicht ist…

Wie bitte? Entweder hat jemand ein Recht oder es ist eine Pflicht.

Jede einzelne Position kann man übersetzen mit „Wir haben ja nichts gegen Flüchtlinge,…“ und dann kommt das ABER. Ich möchte das auch nicht weiter vertiefen, weil ich diesen Bewegungen nicht auch noch hier die Gelegenheit geben will, dass Ihre Parolen verbreitet werden.

Zusätzlich habe ich mich über die Feiertage noch mit den Diskussionen (sofern man das noch Diskussionen nennen kann) in den sozialen Netzwerken zu den Parolen der Bewegungen beschäftigt.

Mir war selten so schlecht und die Art und Weise wie Diskussionen geführt werden, ist wirklich erschreckend. Genau genommen wird nicht diskutiert. Es wird gemeckert, gejammert, beschimpft, diffamiert, bedroht. Jeder, der versucht, eine einigermaßen sachliche Diskussion zu führen wird beschimpft und niedergemacht, gemobbt und mindestens verbal bedroht.

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Es ist alles grundsätzlich schlecht (also eigentlich sch….), Schuld sind ausschließlich „die Politiker“ (im Übrigen gewählt) und überhaupt ist es am besten, wenn man überall mal draufhaut. So der Tenor in den Netzwerken.

Ich persönlich empfinde das als schlimm, allerdings zeigen sich für mich auch hier mehr als deutliche Parallelen zu den Anfängen des Nationalsozialismus. Unbestimmte Ängste werden ausgenutzt, perfide Parolen locken Menschen auf die Straße, die ihren Unmut lautstark kundtun und irgendwann wird dieser Unmut in Gewalt umkippen, der sich dann gegen Personen richtet, die anders sind. Anders aussehen, anders leben, anders denken, anders essen, anders sprechen…

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Es ist egal, ob wir es als rechtsradikal, mittelradikal oder wie auch immer benennen: Das Phänomen ist gefährlich!

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Was mir auch bei der Beschäftigung mit den Diskussionen im Netz aufgefallen ist: Es geht nicht um einen sachlichen Austausch und um das Suchen nach Wegen aus der Unzufriedenheit.

Gemeinsamer Konsens: Meckern. Jammern. Alles ist schlecht. Die anderen, v.a. die Politiker, sind schuld.

Was ich daraus lese ist keine Not, keine Verzweiflung, keine Ängste. Ich lese daraus nur Neid. Neid, dass es jemand anderem vermeintlich besser geht, dass möglicherweise jemand anderes einen vermeintlichen Vorteil erhält, unterstützt wird oder Hilfe erhält.

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Zu einer Demokratie gehören auch konstruktiv geführte Diskussionen um eine Sache mit dem Ziel eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung zu finden. Es geht nicht um Lösungen für den einzelnen an sich, es geht immer um Lösungen für die Gemeinschaft. Diese Lösungen sind immer Kompromisse. Um diese Lösungen zu finden, muss man aber in der Lage sein und auch die Bereitschaft zeigen, sachliche und inhaltliche Diskussionen zu führen, um Lösungen zu finden.

Wer ausschließlich meckert hat das Prinzip der Demokratie nicht verstanden. Wer ausschließlich meckert und keine eigenen Lösungsideen anbietet, die einer Diskussion standhalten und die auch einen Kompromiss vertragen, weil es mehr als nur eine Meinung und mehr als nur ein Bedürfnis gibt, hat das Prinzip einer demokratischen Gemeinschaft nicht verstanden. Um etwas zu verändern, muss man sich einbringen – in die Gemeinschaft.

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Nicht wer laut schreit, hat recht oder wird recht bekommen.

Meine Kerze brennt. Gegen Rechts.