Jetzt erst recht gegen Rechts

Mit dem Wahlergebnis zur Bundestagswakl 2017 steht für jeden einzelnen von uns nun die Aufgabe, die Werte unserer Demokratie gegen rechtsextreme Populisten im Bundestag und unter unseren Nachbarn zu verteidigen.

Meine Kerze gegen Rechts brennt als stummer Protest.

Stumm jedoch bleibt nur die Kerze. Macht den Mund auf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Steht zu den Werten unserer Demokratie, steht zu unserem Grundgesetz!

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Art 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Hass und verbale Gewalt

Mittlerweile gibt es die Aktion „Eine Kerze gegen Rechts“ nun schon fast zwei Jahre.

Anlass der Aktion waren anhaltende Demonstrationen gegen eine damals noch geplante Flüchtlingsunterkunft. Die Flüchtlingsunterkunft ist mittlerweile gebaut und bezogen und hier in der Gegend wurden weitere Unterkünfte eingerichtet. Gegen diese Unterkünfte werden immer wieder Anschläge verübt oder Gewalttaten gegen die Bewohner angedroht. Trauriger Alltag in einem Berliner Bezirk am Rande der Stadt.

Meine Kerze gegen Rechts brennt regelmäßig als stiller Protest gegen menschenverachtendes Verhalten in meiner unmittelbaren Umgebung.

Neben dem traurigen Alltag, an den ich mich nicht gewöhnen möchte, aber gegen den ich auch nicht immer lauthals angehen kann, ist es auch mittlerweile fast zur Gewohnheit geworden, dass man im Internet in den sogenannten sozialen Netzwerken beschimpft wird, wenn man sich für Freiheit, Demokratie und Menschenwürde einsetzt. Natürlich alle unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit.

Ich bin es leid und sehr müde, wenn es darum geht, Diskussionen zu führen, da Sachlichkeit in fremdenfeindlichen und menschenverachtenden Kreisen einfach nicht möglich ist. Meinungsfreiheit scheint nur noch für diejenigen zu gelten, die Hassparolen verbreiten und andersdenkende Menschen durch ihren Hass manipulieren und unterdrücken wollen.

Das geht so nicht weiter. Allerdings muss man nicht nur mit verbaler Gewalt sondern auch mit körperlicher Gewalt rechnen, wenn man sich öffentlich Hassparolen widersetzt. Natürlich könnte ich jetzt nach der Politik rufen, aber das wäre zu einfach.

In unserer Gesellschaft ist jeder einzelne dazu verpflichtet, sich nicht nur an unsere Gesetze zu halten, sondern es ist auch jeder dafür verantwortlich im Rahmen der gesellschaftlichen Regeln ein friedliches Miteinander anzustreben.

Manchmal frage ich mich, ob diese Menschen auch zuhause, bei der Arbeit oder auch mit der Familie so sprechen, wenn jemand nicht ihrer Meinung ist.

Ich bin gegen Gewalt jeglicher Form. Aus diesem Grund gefällt mir auch die Initiative „No Hate Speech“.

Geht doch einfach so miteinander um, wie ihr alle es auch von anderen erwartet.

TROTZDEM

Trauer

image-20151115-101237577Ich trauere um die Opfer extremistischer Gewalttaten und ich mache keinen Unterschied zwischen unterschiedlichen extremistischen Gesinnungen.

Alles und jeder, der gegen die Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und damit gegen Toleranz und Menschlichkeit agiert, macht sich mitschuldig an den Opfern radikaler und extremistischer (Gewalt-)Taten.

Meine Kerze leuchtet gegen Radikalität und Extremismus.

„Toleranz gilt für Andersdenkende. Nicht für Unrecht.“ Jochen Simbrig

Alltäglicher Rassismus im Alltag

Ich habe mich bisher für einen realistischen und auch weltoffenen Menschen gehalten. Sicher auch mit einer persönlichen „weltanschaulichen Brille“, bestimmt auch nicht immer ganz ohne Vorurteile, aber im Großen und Ganzen einigermaßen „normal“.

Allerdings fühle ich mich derzeit, als hätte ich ein komplett falsches (Welt-)Bild. Vielleicht bin ich doch naiv oder einfach zu optimistisch oder zu idealistisch.

Ich spreche hier von dem mir inzwischen fast täglich begegnendem alltäglichen Rassismus, der mittlerweile fast selbstverständlich zu sein scheint. Ich meine damit nicht die Diskussion um „Zigeunerschnitzel“ oder „Negerküsse“ (ok, politisch korrekt wären Paprikaschnitzel und Schaumkuss mit Schokoüberzug).

Ich meine, dass mir mittlerweile wirklich fast täglich Menschen begegnen, die sich offen rassistisch äußern, ohne dass jemand widerspricht.

Es begann vor einigen Monaten damit, dass mir zwei ältere Damen in der S-Bahn gegenüber saßen und sich über den Bau des geplanten Flüchtlingsheims unterhielte. Das Fazit der „Damen“:Flüchtlingen helfen müsse man ja, aber doch nicht in unserem Bezirk (andere Bezirke wäre da geeigneter), am besten aber in einem abgeschlossenen Bereich. Dass man das Ghetto nennt, haben sie gerade selbst festgestellt, als ich bereits Luft holte für die Entgegnung, dass sie dann doch gleich noch Sterne als Kennzeichnung ausgeben sollten. Meine entsetzten und strafenden Blicke haben sie wohl registriert.

Vor kurzem war ich auf einem der zurzeit zahlreich stattfindenden Neujahrsempfänge. Dieser fand in einer evangelischen Kirchengemeinde statt. Ich war als Gast eingeladen, da ich für die an die Gemeinde angeschlossene Kita arbeite.

Zunächst war der Abend unspektakulär, wie solche Abende eben verlaufen. Irgendwann wurde angekündigt, dass es noch den ein oder anderen kurzweiligen Beitrag geben sollte, der vorgetragen werden sollte.

In einem der Texte geht es dann plötzlich um Proletarier, um Schwule und auch um Türken. Wir stutzten kurz beim Zuhören, dachten aber noch, das wäre weiter kein Problem. Der Text entwickelte sich jedoch als ein rassistisches und diskriminierendes Pamphlet gegen die o.g. Gruppen. Ich erspare uns Einzeleheiten. Wir tauschten verwirrte und erschrockene Blicke aus. Die meisten von uns waren sich aber noch sicher, dass doch irgendwann noch die Pointe kommen musste, die das Ganze noch irgendwie (sofern überhaupt noch möglich) einigermaßen ins Satirische drehen müsse. Doch dieser Wendepunkt blieb aus.

Schon während der Vortrags hatte ich das Gefühl, aufstehen zu müssen und laut zu erklären, dass ich den Text für unangemessen halte, zu dieser Zeit und an diesem Ort, nämlich in einer Kirchengemeinde, die doch ein Ort der Nächstenliebe sein sollte.

Der Unmut an meinem Tisch wuchs und wir überlegten, den Raum geschlossen zu verlassen. Dazu kam es leider nicht mehr.

Ich bin zwar aufgestanden und habe noch während des Vortrags dem zuständigen Pfarrer meine Bedenken gegen den rassistischen und diskriminierenden Text mitgeteilt, aber ich habe es eben nicht öffentlich gemacht.

Im Nachhinein ärgere ich mich, nicht meinem Impuls gefolgt zu sein. Genaugenommen schäme ich mich sogar, dass ich nicht den Mut hatte, öffentlich gegen Rassismus im Alltag einzustehen.

Aus diesen und aus zahlreichen weiteren kleinen Gegebenheiten im Alltag lerne ich für mich, dass ich noch viel intensiver Rückgrat beweisen muss gegen den alltäglichen Rassismus im Alltag. Ich werde nicht mehr schweigen (aus welchen Gründen auch immer).

Wie lange schleicht sich Diskriminierung und Rassismus eigentlich schon in unseren Alltag? Es ist an der Zeit, aktiv dagegen anzugehen. Das Minimum, was ich tun kann: Meine Kerze brennt.

Nachtrag: Ich habe recherchiert. Der vorgetragene Text ist 2002 erschienen im Rahmen einer Kolumne in „Die Zeit“ und stammt von einem bekannten Journalisten und Autor. Vermutlich war der Text als Satire gedacht und in vielen Punkten ironisch gemeint. Ich habe ihn unter diesen Aspekten noch einmal gelesen. Für mich bleibt der Text weiterhin diskriminierend und rassistisch.

denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Heute ist der erste Montag im neuen Jahr. Eigentlich Zeit für die sogenannte „Montagsdemo“. Diese fällt aber in dieser Woche vor meiner Haustür in Marzahn aus. Die Organisatoren künden ein abgeändertes Konzept an und rufen ihre Anhänger zu „Wachsamkeit“ auf. Aha…

Ich habe mal einen Screenshot gemacht (05.01.2015, 16.15 Uhr), damit man sich anhand der Formulierungen und des Sprachgebrauchs vor Augen führen kann, dass es sich keineswegs um „besorgte Bürger“ handelt. „Der deutsche Frühling…“ Ist das eine Drohung?

15-01-05 SprachgebrauchStatt der „Montagsdemo“ findet heute am Brandenburger Tor eine Demo der sich in den Vordergrund drängenden PEGIDA-Bewegung statt. Das ist auch nicht besser.

Auch diese Bewegung arbeitet damit, dass hier angeblich nur Ängste und Besorgnisse verunsicherter Bürger auf die Straße gebracht werden. Niemand sei rechtsradikal.

Ich verwende absichtlich nicht den Begriff „Nazi“, denn die Bewegung hat sich einen eigenen Namen gegeben und deren Anhänger wollen und können die Parallelen zur Nazizeit nicht erkennen. Den meisten fehlt es vermutlich wirklich an Hintergrundwissen. Ich habe mich dazu bereits im Dezember ausführlicher geäußert.

Das ändert jedoch nichts an den Inhalten, die transportiert werden sollen, bzw. an den schwammigen populistischen Parolen. Ich habe mir tatsächlich die Mühe gemacht die unterschiedlichen „Positionspapiere“ zu lesen und die Formulierungen sind perfide.

Man fordert das Recht aufzunehmen, dass es Pflicht ist…

Wie bitte? Entweder hat jemand ein Recht oder es ist eine Pflicht.

Jede einzelne Position kann man übersetzen mit „Wir haben ja nichts gegen Flüchtlinge,…“ und dann kommt das ABER. Ich möchte das auch nicht weiter vertiefen, weil ich diesen Bewegungen nicht auch noch hier die Gelegenheit geben will, dass Ihre Parolen verbreitet werden.

Zusätzlich habe ich mich über die Feiertage noch mit den Diskussionen (sofern man das noch Diskussionen nennen kann) in den sozialen Netzwerken zu den Parolen der Bewegungen beschäftigt.

Mir war selten so schlecht und die Art und Weise wie Diskussionen geführt werden, ist wirklich erschreckend. Genau genommen wird nicht diskutiert. Es wird gemeckert, gejammert, beschimpft, diffamiert, bedroht. Jeder, der versucht, eine einigermaßen sachliche Diskussion zu führen wird beschimpft und niedergemacht, gemobbt und mindestens verbal bedroht.

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Es ist alles grundsätzlich schlecht (also eigentlich sch….), Schuld sind ausschließlich „die Politiker“ (im Übrigen gewählt) und überhaupt ist es am besten, wenn man überall mal draufhaut. So der Tenor in den Netzwerken.

Ich persönlich empfinde das als schlimm, allerdings zeigen sich für mich auch hier mehr als deutliche Parallelen zu den Anfängen des Nationalsozialismus. Unbestimmte Ängste werden ausgenutzt, perfide Parolen locken Menschen auf die Straße, die ihren Unmut lautstark kundtun und irgendwann wird dieser Unmut in Gewalt umkippen, der sich dann gegen Personen richtet, die anders sind. Anders aussehen, anders leben, anders denken, anders essen, anders sprechen…

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Es ist egal, ob wir es als rechtsradikal, mittelradikal oder wie auch immer benennen: Das Phänomen ist gefährlich!

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Was mir auch bei der Beschäftigung mit den Diskussionen im Netz aufgefallen ist: Es geht nicht um einen sachlichen Austausch und um das Suchen nach Wegen aus der Unzufriedenheit.

Gemeinsamer Konsens: Meckern. Jammern. Alles ist schlecht. Die anderen, v.a. die Politiker, sind schuld.

Was ich daraus lese ist keine Not, keine Verzweiflung, keine Ängste. Ich lese daraus nur Neid. Neid, dass es jemand anderem vermeintlich besser geht, dass möglicherweise jemand anderes einen vermeintlichen Vorteil erhält, unterstützt wird oder Hilfe erhält.

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Zu einer Demokratie gehören auch konstruktiv geführte Diskussionen um eine Sache mit dem Ziel eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung zu finden. Es geht nicht um Lösungen für den einzelnen an sich, es geht immer um Lösungen für die Gemeinschaft. Diese Lösungen sind immer Kompromisse. Um diese Lösungen zu finden, muss man aber in der Lage sein und auch die Bereitschaft zeigen, sachliche und inhaltliche Diskussionen zu führen, um Lösungen zu finden.

Wer ausschließlich meckert hat das Prinzip der Demokratie nicht verstanden. Wer ausschließlich meckert und keine eigenen Lösungsideen anbietet, die einer Diskussion standhalten und die auch einen Kompromiss vertragen, weil es mehr als nur eine Meinung und mehr als nur ein Bedürfnis gibt, hat das Prinzip einer demokratischen Gemeinschaft nicht verstanden. Um etwas zu verändern, muss man sich einbringen – in die Gemeinschaft.

…denn sie wissen nicht, was sie wollen…

Nicht wer laut schreit, hat recht oder wird recht bekommen.

Meine Kerze brennt. Gegen Rechts.